Der NEON Takeover 2026

Es ist ein sonniger Samstagnachmittag, und ich gehe die Schönhauser Allee hoch. Das habe ich schon dutzende Male getan. Mit einem Unterschied: Ich bin nicht der einzige vegane Mensch weit und breit. Hinter mir laufen 150 andere mit.

Harte Technomusik. Megafonansagen. Schilder mit Bildern, die in keiner Werbung vorkommen. Und die Rufe von 150 Menschen, die dasselbe fordern: dass Tierausbeutung abgeschafft wird. Nicht reduziert, nicht verbessert, sondern vollständig abgeschafft. Jetzt sofort.

Am 12. September 2026 sind wir vom Senefelderplatz losgelaufen, über die Schönhauser Allee bis zur Eberswalder Straße und weiter zum Mauerpark. Das war der NEON Takeover. Und es war erst der Anfang.

Warum wir eigentlich keine Demos machen

Der NEON Takeover war der erste Protest im Demoformat, den NEON je veranstaltet hat.

Normalerweise arbeiten wir anders. NEON zieht nicht-vegane Menschen im direkten Gespräch zur Verantwortung. Unsere Proteste sind auf maximale Wirksamkeit im 1:1-Outreach ausgelegt, direkte Gespräche von Mensch zu Mensch. Eine Demonstration funktioniert nach anderen Regeln. Sie richtet sich nicht an eine Person, sondern an eine Stadt.

Seit dem 29. März 2025 ist NEON allein in Deutschland von null auf 19 Units gewachsen. Im deutschsprachigen Raum sind über 600 Aktivistinnen und Aktivisten engagiert, dazu kommen weitere in Frankreich, Polen, Ungarn, Großbritannien und Mexiko. Weitere Units sind aktuell in Gründung. Uns wurde klar: Wir sind nicht nur eine Ansammlung von Straßenaktionen. Wir sind eine Bewegung, die Massen mobilisieren kann.

Der Takeover war der Prototyp, der das beweisen sollte.

Das war unsere erste klassische Demonstration überhaupt. Komplett ehrenamtlich organisiert. Ohne finanzielle oder sonstige Unterstützung, ohne Apparat im Rücken, ohne eine große Organisation, die mobilisiert hat.

Und wir wissen, wie schnell aus wenig viel wird. Im März 2025 hatten wir eine einzige Unit. Anderthalb Jahre später sind wir international tätig.

Senefelderplatz, kurz vor zwei

Schon beim Ordner-Briefing vor Demobeginn standen dort mehr vegane Menschen zusammen, als uns sonst im Alltag oder auf anderen Demonstrationen begegnen.

Für uns als Organisationsteam war das der erste Moment, in dem etwas deutlich wurde: Viele Menschen in dieser Bewegung sind nicht nur bereit, dabei zu sein. Sie treten aus ihrer Komfortzone heraus und übernehmen Verantwortung.

Claudi klärte die Orga am Megafon. Alle hörten zu. Kein Gemurmel, kein Danebenstehen.

Und das war der zweite Moment, der mir hängengeblieben ist. Die Anwesenden waren extrem unterschiedlich. Unterschiedliches Alter, unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Lebensentwürfe und Lebenssituationen. Trotzdem wirkten wir keine Sekunde lang wie ein zusammengewürfelter Haufen. Was ich dort wahrgenommen habe und auch sonst immer wieder auf unseren Protesten sehe: Wir sind eine disziplinierte Bewegung, die genau weiß, warum sie tut, was sie tut.

Nach der Auftaktrede sind wir los.

RICHTIG! LAUT! VEGAN! wie es sich gehört: mit Megafon in der Innenstadt

Die Route lief wie geplant: vom Senefelderplatz über die Schönhauser Allee hoch zur Eberswalder Straße, in einem geschlossenen, organisierten Block.

Wir trugen die bekannten NEON-Schilder, die viele verschiedene Spezies in ihren Ausbeutungsformen zeigen. Keine Verwässerung durch Umwelt-, Gesundheits- oder Lifestyle-Botschaften, sondern schlicht Darstellungen des Unrechts, für das Nicht-Veganer verantwortlich sind.

Die Stimmung war von Anfang an positiv und konzentriert, die Teilnehmenden hochmotiviert. Die Rufe waren durchgängig laut. Passantinnen und Passanten blieben stehen. Anwohnerinnen und Anwohner schauten aus den Fenstern und reagierten.

Unsere Rufe waren dabei glasklar:

„Nicht vegan sein ist nicht okay!"

„Nicht-Veganer fordern jeden Tag Gewalt!"

„RICHTIG! LAUT! VEGAN!"

Dazu kamen Call-and-Response-Rufe zwischen Megafon und Block für die Abschaffung aller Tierausbeutungsformen. Genauso deutlich haben wir gemacht, wofür wir nicht stehen. Nicht für Umweltargumente. Nicht für Gesundheit. Nicht für Tierwohllabel. Sondern kompromisslos für Gerechtigkeit.

Für ein paar Minuten stand alles still

Mein persönliches Highlight kam beim Einbiegen von der Schönhauser in die Eberswalder Straße. Wir blockierten eine zentrale Kreuzung, die ich im Alltag schon viele Male überquert habe. Dort stehen Dönerstände und Bratwurstbuden, ansonsten völlig unwidersprochen, doch für ein paar Minuten konnte dort niemand unsere Botschaft übersehen.

In diesem Moment wurde mir klar, dass sich etwas grundsätzlich verschoben hat. Wir sind mehr als nur sichtbar. Man kommt nicht mehr an der veganen Botschaft vorbei. Wir stören. Und wir werden zu einer Kraft, mit der zu rechnen ist.

wir haben den Mauerpark übernommen

Am Mauerpark haben wir Raum eingenommen. Viel Raum. Ein beachtlicher Teil der Wiese gehörte an diesem Nachmittag uns.

Während ein Teil der Aktivisten die Formation bildete, gingen andere ins Outreach und sprachen Menschen direkt an. Parallel liefen unsere Forderungen über das Megafon. Das war der klassische NEON-Protest in seiner vollen Pracht.

ihr alle seid richtig! laut! vegan!

Ich bin so dankbar und überwältigt, dass wir alle die Vision teilen, dass Tierausbeutung vollständig abgeschafft werden muss, und wir diejenigen sind, die sich jetzt darum kümmern!

Ich habe an diesem Tag viele Aktive zum ersten Mal persönlich getroffen, Hände geschüttelt, Gesichter gesehen, die ich vorher nur von WhatsApp oder Instagram kannte. Es war wundervoll euch alle mal in echt zu sehen.

Außerdem waren auffällig viele zum ersten Mal dabei. Das war kein Zufall, sondern eine direkte Folge unseres Buddy-Prinzips.

Niemand muss allein anfangen

Wer zum ersten Mal teilnimmt, kann sich vorab mit einem Buddy vernetzen. Das ist eine erfahrene Kontaktperson, mit der man sich austauschen und gemeinsam zum Protest fahren kann. So steht man nicht allein zwischen fremden Leuten.

Vielen nimmt das die Unsicherheit, und genau das macht den Unterschied zwischen Kommen und Nichtkommen. Viele Buddys haben Erstteilnehmenden den ganzen Protest über zur Seite gestanden.

Wir haben deshalb entschieden, das Buddy-Prinzip grundsätzlich für alle unsere Proteste und Aktionsformen einzuführen. Wer sich gegen Tierausbeutung einsetzen will, soll das angstfrei tun können. Niemand muss allein anfangen.

Ohne euch hier wäre nichts gelaufen

Der Takeover wurde nicht von einem Orgateam allein auf die Beine gestellt. Er wurde von 150 aufrichtigen Aktivistinnen und Aktivisten durchgezogen, die eine gemeinsame Vision teilen. Das Team hat den Rahmen gebaut, getragen haben ihn die Teilnehmenden.

Gleichzeitig will ich betonen, wie viel Orga-Arbeit in diesem Tag steckt. Hasti, Claudi und ich haben wochenlang täglich viele Stunden hineingesteckt, um die Demo in dieser Form zu ermöglichen. Hasti und Claudi: Danke.

Zweimal kam die Polizei

Erstaunte Blicke. Neugier. Gespräche, die in den Cafés verstummten, als wir vorbeikamen. Menschen in den Fenstern. Daumen nach oben. Leute, die sich nach uns umdrehten und miteinander über uns sprachen.

Was wir nicht gesehen haben: Gleichgültigkeit.

Unsere Botschaft kam an. Und genau darum geht es, wenn wir von Sichtbarkeit sprechen. Nicht um Zustimmung, sondern darum, dass eine Stadt an diesem Nachmittag nicht so tun konnte, als wäre nichts.

Zweimal wurde im Verlauf des Tages die Polizei wegen uns gerufen. Beide Male ohne Folgen. Es gab nichts zu beanstanden, und es blieb bei einem kurzen Austausch. 

Randnotiz: Die Polizei schwärmte uns gegenüber davon, wie friedlich unsere Demo war und die Beamten schienen froh, dass sie bei uns eingesetzt waren, statt bei einer anderen Demo. Genau darin liegt unsere Stärke. Wir sind keine bloßen Krawallmacher, sondern eine fokussierte, disziplinierte und zielgerichtete Bewegung. Unbequem in der Sache, aber sauber in der Durchführung. Beides zusammen macht uns schwer angreifbar.

was wir ändern werden

Wir sind froh darüber, wie viel bereits funktioniert hat. Wir haben aber auch berechtigtes Feedback und Kritik bekommen. Die begrüßen wir ausdrücklich. Vielen Dank dafür!

Der Mauerpark war für die Abschlussformation nicht ideal. Dass wir dort gelandet sind, lag daran, dass an diesem Tag in Berlin sehr viele andere Demonstrationen angemeldet waren. Wir sind bereits in der Planung für den nächsten Ort. Das Ziel ist eindeutig: möglichst viele Augen und Ohren erreichen.

Die Musik war stellenweise zu leise. Auf einem Marsch durch eine laute Straße reichen unsere normalen Lautsprecher nicht aus. Beim nächsten Mal gehen wir mit einem deutlich stärkeren Soundsystem raus.

Unsere Rufe brauchen bessere Koordination. Mehrere Megafone an unterschiedlichen Stellen im Block bedeuten, dass Rufe auseinanderlaufen, wenn sie nicht abgestimmt sind. Ein synchroner Block ist hörbar stärker als ein lauter. Wir werden die Megafonführung künftig besser aufteilen und die Rufe klarer definieren und vorher üben.

Wir hatten eine sabotierende Person vor Ort. Sie gehörte nicht zu uns und hat einzelne Aktivistinnen und Aktivisten mit ihrer Kamera bedrängt und belästigt. Für kommende Aktionen legen wir ein klares Vorgehen für solche Situationen fest. Niemand, der für die Tiere auf die Straße geht, soll mit so etwas allein dastehen.

Pausen gehören räumlich getrennt. Pausen sind vollkommen in Ordnung, und wir unterstützen jeden, der eine braucht. Im Bereich der Demonstration selbst stehen wir aber kompromisslos für die Tiere. Deshalb werden Pausenbereiche künftig klar abseits liegen.

Eine Million bis 2036

Das Konzept funktioniert. Wir haben aus dem Stand einen Demozug auf die Beine gestellt, der durchgehend laut, kraftvoll und geschlossen war. Und was einmal funktioniert hat, lässt sich wiederholen und vergrößern.

Damit spricht nichts dagegen, dass wir in den kommenden Jahren exponentiell wachsen. Unser Ziel: bis 2036 auf eine Million Teilnehmende anwachsen und international eine Aufmerksamkeit erzeugen, an der niemand mehr vorbeikommt.

Der 12. September war keine einmalige Angelegenheit. Er war der Startschuss für eine abolitionistische Bewegung, die die Tierausbeutung tatsächlich beendet.

Und wir versprechen an dieser Stelle: Beim nächsten Mal wird es noch größer und lauter. Mehr Musik, schärfere Parolen, ein größerer Rahmen. Wir sind längst in der Planung.

Beim nächsten Mal bist du dabei

Trag dich in unsere Eventliste ein, wenn du auch in Zukunft dabei sein willst. Du musst niemanden kennen und nichts können. Und du musst nicht allein kommen, dafür gibt es das Buddy-Prinzip.

Was du sofort tun kannst

Eins noch von mir persönlich. Wenn du die Tierausbeutung beenden willst, dann solltest du dir diese Frage beantworten:

Wie sieht deine Rolle in dieser Bewegung aus, und wo liegt dein persönlich längster Hebel?

Regulärer Straßenaktivismus ist nicht das Einzige, was du tun kannst. Es braucht Organisation, Schnitt, den Aufbau neuer Units, Geld, Reichweite, Kontakte. Dein längster Hebel ist der, den du besser bedienen kannst als jeder andere.

Wenn du mehr Verantwortung übernehmen oder noch effektiver auf das Ende der Tierausbeutung hinarbeiten willst, schick mir eine E-Mail. Ich berate dich gerne, kostenlos und ohne Verbindlichkeiten.

Vielen Dank, dass ihr mit uns gemeinsam RICHTIG! LAUT! VEGAN! seid,

Denis

P.S.: Hast du gefilmt oder fotografiert? Lade deine Videos und Fotos gern hier hoch. Nutze das gesammelte Material auch gerne, um selbst Content zu erstellen.

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RICHTIG! LAUT! VEGAN! – 1,5 Jahre Gelaber